54. Fiji - Singapur/Singapur

Von Fiji aus haben wir einen Nachtflug nach Singapur gehabt. So sind wir dank Zeitverschiebung morgens um 5:00 in Singapur angekommen. Changi Airport! Was ein Flughafen. Der weltberühmte Flughafen war leider um 5 Uhr noch komplett in der Schlafphase. Wir liefen ewig, bis wir mal ein offenes Cafe fanden. Aber wir bewunderten den Indoor-Dschungel mit Wasserfall. Vieles ist in Singapur komplett digitalisiert, was es teilweise echt nervig macht. Die Passkontrolle war auch für Laoui mit Kamera und Daumensensor, was echt dauerte. Einchecken geht nur am Automaten - auch die Kofferbänder. Ich musste, da wir besondere Buchungen hatten, erst eine Servicekraft finden. Und die Fließbänder zum Laufen sagen dauernd „mind your step“. Wir haben fast alle Taschen im Flughafen eingeschlossen und uns die Touristen-Tickets für den Nahverkehr gekauft. So sind wir mit der Metro zum Hotel gefahren. Nicht ganz, denn wir mussten noch 1 km laufen, was in der Hitze mit dem Gepäck echt anstrengend war. Denn die hohe Temperatur schlug uns nach der nett klimatisierten Metro am Ausgang entgegen: heiß und feucht, 30 Grad, 80% Luftfeuchtigkeit. 
Was mich an Singapur vom ersten Moment an begeistert hat: Diese Ruhe trotz Großstadt-Wahnsinn, wirklich crazy. Die Menschen sind sehr diszipliniert und sind wohl auch so vom Staat erzogen. 
Wir schlängelten uns durch diverse Streetfood Läden, bis wir völlig erschlagen am Hotel ankamen. Leider war es erst 11:00. Check-in: 15:00. Wir wollten wenigstens das restliche Gepäck abstellen. Doch der Manager war der Kracher: er hatte schon beide Zimmer bezugsfertig und wir durften am nächsten Tag sogar statt bis 11:00 bis 18:00 das Zimmer nutzen. Er sagte, wir sollten doch eine schöne Zeit in Singapur haben. 
Das hatten wir dann auch: wir aßen bei verschiedenen Streetfood-Läden, besuchten die berühmten Gardens by the bay, bestaunten das Marina Bay Sands Hotel, streiften mit der Metro durch die Stadt und besuchten den East Coast Park/Beach/Food Village. Aber Achtung: beim Streetfood braucht man Bargeld. Was man in Singapur immer wieder sieht, ist, dass es sehr reiche Menschen mit massenhaften Konsumbedarf gibt und diese auch ein entsprechendes Angebot bekommen. Besonders deutlich zeigt sich das am Changi-Airport. Die andere Seite sind aber auch viele wirklich arme Menschen, die mit über 80 noch in ihrem Mini-Markt ackern und in den Hinterhöfen in anderen Stadtvierteln oder in Plattenbauten leben. 
Singapur hat also nicht nur das Saubermann-Image: wenn man mal genauer hinsieht, findet man Müll, arme Leute, verdreckte Häuser und Höfe und kranke Menschen.

Dank dem supernetten Hotelmanager konnten wir noch schnell duschen und uns gemütlich fertig machen, bevor der nächste Doppelflug anstand: Singapore-Doha, Doha-Cape Town.

53. Fiji - Nadi - Naviti Island Wei Makare Homestay

Ein kurzer fünf Stunden Flug bringt uns mit Fiji Airlines nach Nadi auf das Mainland. Dort verbringen wir in wirklich schwüler Hitze (30 Grad, 80% Luftfeuchtigkeit) eine Nacht in einem Apartementhaus. Wir sind die einzigen Deutschen, neben, unter und über uns leben lauter Arbeiter, die uns morgens um 4:30 Uhr mit Weckergedudel oder lauten Telefonaten aufwecken. Einer drehte um 5:00 Uhr seine Reggaemusik auf Diskolautstärke. Und das Schöne war: das Haus hatte keine Glasfenster oder ähnliches, sondern nur Klappjalousien, da es ja immer warm ist. Ergo lebten wir sozusagen „draußen“ und bekamen JEDES Geräusch mit. Eine Erfahrung war es wert. 
Mit dem Taxi sind wir weiter zum Port Denerau gefahren und danach ging es mit der Southseacruises Richtung Naviti Island. Die Southseacruises unterhält eine schnelle Katamaranflotte, die die einzelnen Resorts und Homestays auf den Inseln bedient. Viele Touristen lassen ihr Gepäck im Hafen und nehmen nur das Nötigste mit. Dann fahren sie jeweils für 1-2 Tage ein Resort an und „hoppen“ mittels der Fähre wieder zu einem anderen, wo sie abermals ein paar Tage verbringen.
Wir fahren 3 Stunden zu Naviti Island und bleiben aber sieben Tage im Wei Makare Homestay. Die Familie lebt dort selbst hinter dem Strand, obwohl das nächste Dorf eine 1/2-stündige Bootsfahrt entfernt ist. Im Haupthaus der Familie wohnen Jimmy und seine Frau mit ihrem Sohn Bully. Bully ist getrennt von seiner Frau und hat seine 3 Kinder zur Zeit bei sich. Jimmys Tochter Opah ist mit Nossi verheiratet. Nossis Vater Emos lebt auch da. Zudem lebt noch Jonathan, der Opa von einigen dort. Dann gibt es noch Marta und schlussendlich Amele, die den ganzen Laden schmeißt, da ihre Eltern das Grundstück vor 20 Jahren gekauft haben. 
Um von der Fähre ⛴️  auf die Insel zu kommen, stoppt die Fähre in einer befahrbaren Bucht und ruft die jeweiligen Unterkünfte an, dass sie da ist. Das Personal kommt dann mit dem Boot - in unserem Fall Bully und Nossi- und holt die Gäste ab. Wir sind also auf dem Wasser umgestiegen. Nach 10 Minuten Fahrt waren wir an Land und Jimmy begrüßte uns mit der Gitarre. Es war wie ankommen im Paradies. Wir bekamen das beste Haus des Homestays, welches zwei getrennte Zimmer mit Zwischentür hat und sogar eigene Toiletten und Duschen. Das war dann die erste eigene Toilette seit langer Campingzeit. 
Die Familie hatte im Laufe der Woche einige Aktivitäten für uns geplant. Die Kinder durften zweimal Speerfischen, sogar Aourel durfte mit. Besonders hervorzuheben ist die Geduld von Jimmy, der auch nicht mehr der Jüngste ist: er ist mit allen vier Jungs alleine im Boot zum Handangeln rausgefahren und hat unsere Kinder bestimmt zwei Stunden alleine betreut - in einem Boot! Ich fuhr mit den zwei Großen zu einer größeren Schnorcheltour mit Bully und Nossi, was sehr schön war. Michael besuchte mit Elouan und unserer neuen Freundin Rachel aus Kanada das Dorf mit Schule und Einheimischen. Wir feierten an einem Abend ein Fest mit herrlich auf Stein gegrilltem Fisch. Diesen Fisch hat Emos tagsüber einfach „schnell“ gefangen. Es waren unter anderem drei dicke Barrakudas. Auch habe ich mit Jimmy aus Palmenblättern Körbchen geflochten, worin Hühnchenfleisch gegrillt wurde. Die Kinder sind unheimlich viel in diesem sehr warmen klaren Wasser geschwommen. Zudem hat Wei Makare eines der schönsten Riffe direkt vor der Haustür. Ich bin jeden Tag mindestens einmal rausgeschwommen, um die bunten Fische zu sehen. Amele hat mir erzählt, dass vor 10 Jahren Wilderer Dynamit auf eine Seite ins Meer geworfen haben. Damit hatten sie nicht nur unzählige Fische, sondern auch Korallen getötet und zerstört. Sie hatte damals Anzeige erstattet und es sind auch welche verhaftet worden, aber sie hat mir auch gesagt, dass es immer wieder vorkommt. Leider. Ich drücke ganz fest die Daumen, dass dieses wunderschöne Riff noch lange so bleiben darf. 
 In dem Homestay habe ich einiges gelernt:

  • die Menschen leben noch größtenteils im Einklang mit der Natur.
  • Familie ist sehr wichtig und alle halten zusammen, die Alten und die Jungen der Familie leben miteinander und unterstützen sich gegenseitig.
  • es wird mit wenig Besteck oder den Händen gegessen, gesessen wird auf dem Boden auf Plastikplanen.
  • Handel findet durch Tauschen statt.
  • Strom ist Luxus, abends läuft ein Generator für Licht und zum Stromspeichern für den Tag.
  • entsprechend gibt es auch nur 1 Kühlschrank
  • Abwasser aus Toiletten versackt in Gruben.
  • Frischwasser ist Regenwasser von gesammelten kleinen Dämmen, die jeder für sich betreibt und sauber halten muss. Wenig Regen = wenig Wasser (die Schule hatte deshalb nur bis mittags auf)
  • auf Naviti gibt es keine Straßen - die Menschen laufen und haben Boote, das Dorf hat ein großes Gemeinschaftsboot, welches bei Feierlichkeiten alle Dorfbewohner von A nach B schippert. Bei uns kamen immer Leute aus dem Dorf mit dem Boot vorbei, haben Lebensmittel gebracht, getauscht, die Leute haben ein Schwätzchen gehalten, dann sind sie wieder abgefahren.
  • die Menschen sind christlich orientiert. Frauen müssen ab 9 Jahren ihre Schultern bedecken und dürfen keine Beine zeigen. Männer müssen im Dorf ihre Kopfbedeckung abnehmen. 
  •  Fiji ist nicht günstig! Die hohen Transportkosten von Lebensmitteln und allen weiteren Gütern, bis diese auf der Insel ankommen, machen es den Menschen nicht leicht, billig zu leben. Deshalb konsumieren Inselbewohner natürlich NIE Softgetränke oder Snacks. Dafür gibt es immer fangfrischen Fisch und Papayas und Mangos en masse. Aber eben auch Plastik- oder Medizinprodukte, Toilettenpapier oder Milch haben lange Transportwege und deshalb gesalzene Preise für die Inselbewohner.
  • Die Familie war sehr nett zu uns und hat uns einen echten ungefilterten Einblick in das Inselleben ermöglicht. Dafür bin ich unendlich dankbar. Wir haben gesehen, wie flexibel und einfallsreich die Fijis auf den Inseln sind, welche guten Fischer sie sind und was es bedeutet, immer der Sonne und Hitze ausgesetzt zu sein. Wir haben den Zusammenhalt eines Dorfes kennengelernt und auch die Bedeutung des Tourismus für die Bewohner. Zudem haben wir genau gesehen, welchen ökologischen Schaden wir mit unserem Besuch anrichten: Toilette/Abwasser: das Wasser wird in den Boden geleitet, Müll - wird verbrannt, Strom für unser Essen - wird mit Benzin durch den Generator hergestellt.


Wir haben uns am letzten Tag sehr liebevoll von allen verabschiedet und wurden von Emos und Nossi zur Fähre gebracht. Das war dann wieder ein Schritt in die Zivilisation und ein Abschied von einer sehr besonderen Zeit auf einer besonderen Insel.